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Tagebuch

Das Tagebuch wird wöchentlich aktualisiert. Ziel des Tagebuches ist es, jedem Interessierten einen realistischen Einblick in den Aufbau einer neuen Existenz in Russland zu geben.
Wir wollen Mut machen den Schritt in eine neue Existenz zu wagen, aber auch helfen Fehler zu vermeiden.

2007 JahrMärz
2006 JahrJanuarFebruarMärz AprilMaiJuniJuliAugust SeptemberOktoberDezember
2005 JahrNovemberDezember


Vierte Woche November 2005

Auch wer Besitzer einer eigenen Wohnung in Russland ist muss sich an einiges ungewohntes gewöhnen. Vor einigen Wochen hing ein Schreiben im Hausflur. In dem Schreiben wurden Rubel 300 für den Kauf einer Eisentür mit Zugangskode gefordert. Die Russlandkundigen haben gelacht und meinten "das Geld musst Du nicht bezahlen". Der Blockälteste, jemand der von den Wohnungsbesitzern gewählt wird um das Haus in Ordnung zu halten, hat einfach eine private Initiative gestartet. Den er wohnt im Erdgeschoss und seine Frau stört sich an den Liebespärchen die knutschend im Winter im Hausflur zuflucht suchen. Das wird aber ausser den Wohnungsbesitzern im Erdgeschoss niemanden interessieren und keiner wird Geld geben. Ein Zugangskode wäre auf dem Land ohnehin unnütz, innert einer Woche kennt ihn das ganze Dorf. Tatsächlich die Ortskundigen hatten Recht, heute zwei Monate später gibt es keine solche Initiative mehr. Ich wäre wohl wirklich der Einzige gewesen der Geld gegeben hätte. Anders sieht es aus mit der Heizung. Auf der linken Seite des Hauses funktioniert sie nicht. 100 Rubel hat man pro Wohnung einkassiert. Den ohne Geld keine Reparatur obwohl wir jeden Monat 250 Rubel für den Unterhalt des Hauses theoretisch bezahlen. Allerdings theoretisch, da man ohnehin Geld für arbeiten fordert zahlt man nur bei Bedarf. Monatlich bezahlen hilft nicht, man wird trotzdem noch zur Kasse gebetten. So halten es alle im Haus "Zahlen ja, wenn es eine konkrete Leistung gibt".

Dritte Woche November 2005

Der Jeep ist auf meine neue russische Firma eingelöst. Ausländer ohne ständigen Wohnsitz in Russland müssen Ihre Fahrzeuge entweder auf einen Russen registrieren oder über eine eigene russische Firma. Ansonsten muss man jedes Jahr das Fahrzeug vorführen. Beim Autokauf ist darauf zu achten, sich keine unnötigen Kleinigkeiten die schnell ins Geld gehen andrehen zu lassen. Elektronische Wegfahrsperre ist blödsinn in einem Land wo schon Kinder wissen, mit einem guten Laptop kann man den Kod der Sperre in Sekundenschnelle abfangen und dann das Auto ohne Probleme öffnen. Besser sind metalische Wegfahrsperren am Lenkrad. Sie eigenen sich auch prima als Schlaginstrument. Eine Autoapotheke kostet gerademal 6 Dollar und nicht 30 wie beim Autohändler und russische Spikes bekommt man für 50 USD und nicht wie beim Autohaus vorgeschlagen für 200 USD. Einziger Trost, überteuerte Zusatzleistungen versuchen die Autoverkäfer auch den Russen anzudrehen. Wer übrigens ein Fahrzeug kauft sollte dies besser in einem renomierten Unternehmen machen. Zumindest ist die Garantie dort eher auch noch etwas Wert und das Fahrzeug mit Satelschlepper zum Autohaus transportiert worden und nicht mit Chauffeur von Togliati bis nach Moskau.

Zweite Woche November 2005

Der grösste Budgetaufwand ist bei uns die Werbung. In Russland muss ich selber dafür Sorge tragen meine Produkte zu verkaufen. Ich musste auch mal zuerst lernen, dass die Russen nicht einfach dumm sind wenn Sie keine Milchwirtschaft aufbauen. Sie haben handfeste Gründe dafür. Der Milchpreis richtet sich nach dem Weltmarkpreis für Milchpulver. Der Preis ist tief und die Industrie in Russland längst darauf eingestellt, das Milchpulver billig und hygienisch problemlos ist. Milchwirtschaft ist Maschinen-und Personalintensiv. Anders sieht es auf dem Fleischmarkt aus. Fleisch ist oft falsch getötet worden und lagert zu wenig lange ab. Das Fleisch fachgerecht zu parieren ist praktisch unbekannt. Dafür ist der Markt überschwemmt mit qualitativ minderwertigem Billigfleisch aus Europa und den USA. Ein Grund warum in den letzten vier Jahren vornehmlich von den Russen selber in Geflügelfarmen investiert wurde. Hühnerfleisch ist teuer aber mitlerweile tadellos. Vorbei die Zeiten der unansehnlichen bläulichen Sowjethühnchen. In dieser Woche habe ich einen neuen Jeep gekauft russischer Herkunft und genau das Richtige für die hiesigen Winter und schlammigen Frühjahrsböden. Auch die Renovation meiner Wohnung ist bald beendet.

Erste Woche November 2005

Ein Angebot für den Kauf einer abgewickelten Sowchose in Kaluga habe ich bereits vor drei Wochen gemacht. Nun bleibt nur abwarten übrig. Bekomme ich gleich den Zuschlag oder wird es zuerst zu einer Ausschreibung kommen. Land ist genügend vorhanden 300 Ha benötige ich am Anfang. Auch Land als Reserve ist mir bereits zugesagt worden. Überhaupt kann ich über das Landwirtschaftskomitee in den Rayona nur das Beste erzählen. So freundlich sind Beamte sonst nur im Westen. Eine neue Firma Agronet GmbH haben wir bereits gegründet und in ihrem Namen das Übernahmeangebot unterbreitet. Während ich geschäftlich in der Schweiz weile, suchen meine Mitarbeiter in der Zwischenzeit Lieferanten für die Herde. Übernächste Woche geht es zur Besichtigung der Tiere. Eine Mitarbeiterin beschäftigt sich mit der Anmeldung meiner Wohnung die ich schon vor einiger Zeit gekauft habe und organisiert die exakten Landpläne. Ohne diese kompetente Frau würde ich wohl noch immer in der Schlange des örtlichen Registeramtes für Wohneigentum stehen. Neben dem Registeramt muss die Dame auch noch zur Kommunalverwaltung für Heizung und Müll zum Steueramt und zum Stromlieferanten. Telefon anmelden etc. Wir haben uns entschlossen die Kommunalgebühren für Heizung und Müll, sowie Elektrisch, nach Möglichkeit für 10 Monate zum Voraus zu bezahlen. Den jede kleine Rechnung bedeutet hier leider langes anstehen bei der Sperbank. Zudem kann man nur vor Ort bezahlen. Es gibt keine Zentralcomputer, so dass es nicht möglich ist diese Rechnungen in Moskau zu begleichen. Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass ich mich zurzeit noch nicht über den genauen Standort der Farm und über unsere Produktion auslasse. Sobald ich die Kaufpapiere habe werden Sie die ersten sein, die genaueres erfahren. Investitionsplan und Budget für die ersten vier Jahre haben wir schon vor einem Monat gemacht.



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